Edvige Scimitt

 

Deutschland 1985

 
 
Edvige Scimitt

Regie: Matthias Zschokke
Drehbuch: Matthias Zschokke
Kamera: Adrian Zschokke
Schnitt: Barbara von Weitershausen
Musik: Heiner Goebbels
Mit: Ingrid Kaiser, Fritz Schediwy, Wolfgang Michael, Klaus Völker, Pia Weibel, Miriam Spoerri
 
16mm - Farbe - 90 Minuten
Deutsch

   
 

EDVIGE SCIMITT - mit dem Untertitel ,Ein Leben zwischen Liebe und Wahnsinn' - basiert auf Tagebuchaufzeichnungen einer Frau, die zu Beginn unseres Jahrhunderts lebte: Parlourmaid in London, Saaltochter in Milano, Garderobiere in Palermo, Etagenserviererin in Zandvoort, Badraummädchen in New York – alles prunkvolle Berufsbezeichnungen, sehnsuchterweckende Städtenamen. Stationen im Film und aus Edviges Leben. «Edvige, von Ingrid Kaiser entrückt und (angenehm) unnahbar verrückt dargestellt, weint nicht, sie handelt, oft genug ohne zu wissen, was ihr eigentlich passiert. Ihr Leben ist schnell, ihre Statements sind meist schonungslos brutal und gleichzeitig unschuldig entlarvend.» (Ruhr-Nachrichten)
 
Edvige reist um die Welt und entdeckt sich selbst, denn ,wenn man viel rumreist, wird vieles vorstellbar': Ein Frauenschicksal ohne Pathos und aufklärerische Langeweile.
 
Zschokke polemisiert nicht, er behauptet – absurd und krass. DIE ZEIT schreibt: «Aufrecht, eigenwillig und fräuleinhaft übersteht sie [Edvige Scimitt] die skurrilsten Geschichten. Ständig verfolgt von drei vermummten Herren, erlebt sie eine expressionistische Welt, in der vieles an Wedekind erinnert. Ueber weite Strecken ist dieser sehr literarische Debütfilm, (...) brillant, erlesen, kostbar inszeniert und dabei immer auf ironischer Distanz.»
 
Der Film wurde mit dem PREIS DER DEUTSCHEN FILMKRITIK FÜR DEN BESTEN SPIELFILM 1985 ausgezeichnet: «Die Jury würdigt damit einen Film, der sich durch eine ungewöhnliche Verknüpfung theatralischer und filmischer Mittel sowie durch eine hervorragende Behandlung von Licht, Farbe und Darstellung als souveränes Spiel zwischen Dokument und Fiktion auszeichnet.»
Auch DER SPIEGEL würdigt das unmittelbare Erlebnis, den aberwitzigen Dialog und die Situationskomik: «Es gibt viel zu lachen für Leute, denen Schrill-Schräges nicht böhmisch vorkommt.»
Und die BÜNDNER ZEITUNG: «Was dieser Film aber anderen Erstlingen – und nicht nur Erstlingen – voraus hat ist, dass ein Autor und Regisseur Phantasie hat, dass er Bilder, zum Teil gewaltige Bilder, im Kopf hat, und dass er in der Lage ist, diese Bilder auch auf die Leinwand zu bringen. Darüberhinaus hat er zu seinen Bildern, seinen Figuren, zur ganzen Künstlichkeit soviel Distanz, dass er sich ab und zu ein ironisches Augenzwinkern leisten kann.»
 
EDVIGE SCIMITT ist ein verquerer Film: lustig, naiv, dann wieder voller Künstlichkeit und Trauer – ein Film, der sich nicht nacherzählen lässt, der Haken schlägt, der die Augen und die Ohren, ja, die ganzen Köpfe der Zuschauer beansprucht.

   
 

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