Schultze gets the blues

 

Deutschland 2003

 
 
Schultze gets the blues

Regie: Michael Schorr
Drehbuch: Michael Schorr
Kamera: Axel Schneppat
Schnitt: Tina Hillmann
Musik: Thomas Wittenbecher
Produktion: Filmkombinat GmbH & Co. KG
Mit: Horst Krause, Harald Warmbrunn, Karl-Fred Müller
 
35mm - Farbe - 110 Minuten
Deutsch (und wenig E)/dt UT

   
 

Ein gewisser Schultze ist dem Blues auf der Spur. Schultze ist ziemlich dick, bevorzugt deshalb Hosenträger, lüpft bei unumgänglichen Begrüssungen stets höflich den Hut und er liebt das Akkordeonspiel. Er hat eine uralte Mutter, die im Seniorenheim lebt und niemals spricht. Auch Schultze spricht nicht viel. Eben ist er mit seinen Kumpels Jürgen und Manfred aus dem Salzbergwerk in den Vorruhestand entlassen worden. Nun haben sie Zeit. Es fragt sich nur, wofür? Wo ist die Mitte des Menschen, in der er sich selbst in Würde begegnet, wer interessiert sich dafür?
Davon handelt der Film. Gedreht in Teutschenthal bei Halle und in den Bayous von Louisiana.
Ausgerechnet Schultze (grossartig gespielt von Horst Krause), der ungeschlachte Grübler, macht sich auf den Weg. Vom Radio, seinem Draht in die Welt, ist er infiziert worden: Kaum schnallt er sich sein Akkordeon um, will sich die gewohnte Polka nicht mehr fügen. Schneller geht es nun, schräger. Südlich irgendwie. Der Musikverein steht Kopf. Dann delegieren sie ihren Freund nach Amerika.
Hinreissend, Schultze durch die Sümpfe des amerikanischen Südens schippern zu sehen. Wie selbstverständlich er sich bewegt. Schultze hat keine Furcht, auch vor dem Tode nicht. Und am Ende werden seine Leute daheim ein wenig fröhlicher geworden sein. Oder doch ein bisschen weniger mutlos. Wie es sich für ein Märchen gehört.
Mitteldeutsche Zeitung
 
Regisseur Michael Schorr kommt vom Dokumentarfilm. Und das spürt man in seinem Spielfilmdebüt aufs Schönste: eingebettet in dokumentarisches Umfeld, oftmals spontan auf das Geschehen reagierend und getragen von nur wenigen professionellen Schauspielern entwickelt sich die Geschichte von Schultzes überraschender Frühpensionierung bis zu seinem eigenwilligen Trip zu den Ursprüngen der Musik der Kreolen in Ruhe und voller Humor.
Ein Film im Stil des legendären REISENDEN KRIEGERS von Christian Schocher. "Halb Realität, halb Fiktion, weit entfernt vom mitunter zynischen deutschen Stil" befand die italienische Presse nach der Uraufführung am Filmfestival von Venedig.
 
Musik u.a. Zydeco Force, Jackie Callier & the Cajun Cousins, Elton 'Bee' Cormier, Bobby Jones Czech Band, Brachstedter Musikanten

   
 

«Ganz leise lässt Schorr die Geschichte von einem späten neuen, leidenschaftlicheren Leben dahinfliessen, er hat einen schönen Balanceakt zwischen Schwermut und Witz hingelegt.»
Süddeutsche Zeitung
 
«Es ist schön, Dialogen zuzuhören, die das Drehbuch von der Last der Erklärung befreit hat. Und es ist schön, dem dicken Schultze zuzugucken, wie mit der Südstaaten-Melodie etwas Neues in ihm wächst, wo doch sein Leben mit der Frühpensionierung, nach all den Jahren in der Grube, an einem toten Punkt angelangt zu sein schien.» TAZ
 
«Schultze ist anders, der ganze Film ist anders. Mit grosser Ruhe, die zur Landschaft wie zu den Einheimischen passt, zeigt er den Osten, ohne ihn nach Art diverser Fernehshows in Putzigkeit zu pressen. Dabei kommt den Bildern dokumentarische Akribie zugute. Das tut manchmal fast weh, im nächsten Moment öffnen sich Abgründe finsteren Humors.» Mitteldeutsche Zeitung
 
«Insgesamt schon sehr herzerwärmend – und deshalb hat ihn das venezianische Publikum beim Wettbewerb der Neuentdeckungen mit regelrechten Ovationen gefeiert.» DER SPIEGEL

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