Coca : Die Taube aus Tschetschenien

 

Schweiz 2005

 
 
Coca : Die Taube aus Tschetschenien

Regie: Eric Bergkraut
Kamera: Laurent Stoop
Schnitt: Mireille Abramovici
Musik: Marie-Jeanne Serero
Ton: Martin Witz, Jens-Peter Rövekamp, Luc Yersin
Produktion: Doc Productions Gmbh
Mit: Zainap Gashaeva
 
35mm - Farbe - 86 Minuten
DIV/deutsche Untertitel

   
 

Anna Politkowskaja, die mit Sainap Gaschaiewa gegen die Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien gekämpft hat, wurde am 7. Oktober 2006 ermordet.
 
«Coca» nannten ihre Eltern Sainap Gaschaiewa – die Taube. Geboren in der Verbannung in Kasachstan, wurde sie Geschäftsfrau und zog vier Kinder gross. Seit 1994 dokumentiert sie, was in ihrer Heimat täglich geschieht: Verschleppung, Folter, Mord.
Was Präsident Putin zur «antiterroristischen Aktion» erklärt, hat Züge eines Völkermordes angenommen. Bis zu dreissig Prozent der tschetschenischen Bevölkerung könnten getötet worden sein. Die Weltöffentlichkeit schweigt, sei es aus Unwissen, Hilflosigkeit oder Opportunismus.
Zusammen mit anderen Frauen hat Sainap Gaschaiewa hunderte Video-Kassetten versteckt. Jetzt will sie diese nach Westeuropa schaffen. Sie hofft, dass es zu einem Tribunal kommt und die Schuldigen bestraft werden – auf welcher Seite sie auch stehen. Ein Kampf gegen Windmühlen?
 
«Erst in 20 Jahren wird meine Arbeit Früchte tragen, erst dann wird man sich dafür interessieren, was in Tschetschenien am Ende des 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts geschehen ist», sagt Sainap Gaschaiewa an einer Stelle, die ich im Film schliesslich nicht zeige. Vielleicht hat sie recht. Wer nimmt heute schon zur Kenntnis, dass seit 1994 20 bis 30 Prozent der Tschetscheninnen und Tschetschenen getötet worden sein könnten?
Mein Film sollte von Anfang an von Frauen handeln, die gegen die Verwüstung von Körpern und Seelen kämpfen. Von Frauen, die die Verletzungen der Menschenrechte anprangern und auf Gerechtigkeit hoffen. Sie tun es nicht aus einer naiven Haltung, für die Tschetschenien der denkbar schlechteste Ort wäre. Sondern weil sie nicht anders können und wollen. Weil sie mutig sind und weil sie sich und ihre Ideale nicht verleugnen, auch wenn das für sie und ihre Familien einfacher wäre und die Lebenserwartung erhöhen würde… Aus ihren Gesichtern, ihrer Kraft und Unerschrockenheit sollte die Schönheit erwachsen, die ein Film braucht, auch wenn er allerhand Schreckliches zeigen muss… Und mich interessierte von Anfang an, wo und wie die Menschenrechte im internationalen System aufgehoben sind.
Wie sich «Moral» zu Realpolitik verhält. Ob das, was sich da am Rande Europas abspielt, irgendetwas mit uns zu tun hat… Wenn die Globalisierung denn ein Gebot unserer Zeit ist, warum sollte sie nicht auch für den Schutz und die Anwendung der Menschenrechte gelten…?! Eric Bergkraut

   
 

Ein Film über das Beharren, über den Mut, die Klugheit, die Weitsicht und die sanfte List von Frauen in Kriegszeiten. Peter Weber
 
«Erschütterndes Zeugnis über das Martyrium des tschetschenischen Volkes und die kriminelle Indifferenz der europäischen Regierungen und der Öffentlichkeit, eine präzise, unwiderlegbare Anklage gegen den von Putin begangenen Völkermord.» Jean Ziegler
 
«Aufrüttelndes Manifest gegen einen Krieg, an dem Europa durch sein Schweigen mitschuldig wird.» Klaus Bednarz

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