Go West, Young Man

 

Schweiz/USA 1980

 
 
Go West, Young Man

Regie: Urs Egger
Drehbuch: Urs Egger
Kamera: Timothy Suhrstedt
Schnitt: Daniela Roderer
Mit: Chris Surprenant, Linda Kerridge, Michael Andrews, Catherine Alexander, Carel Struycken, Urs Egger
 
16mm - sw - 43 Minuten
Deutsch + Englisch

   
 

Die Aufforderung der Pioniere an ihre jungen Männer, westwärts zu ziehen und mit dem Land zu wachsen, ist von Egger sowohl in ihrem Gehalt an filmischer Tradition begriffen als auch ganz wörtlich genommen worden: Artig, schlaksig, scheu aber neugierig erforscht der erstmals amerikanischen Boden betretende Neuankömmling Hans (Urs Egger in einer Glanzrolle) – vorerst von der grenzenlosen Vertrautheit eines Holiday-lnn-Zimmers, später von seinem Appartement aus – die unbekannte Welt (Los Angeles), deren Scheinhaftigkeit er vergnügt entdeckt und daran durch den Eklektizismus seines Films nun teilhat – bis zum Finale in kosmischem Gelächter, wo auch die Grenzen des Pazifiks nicht mehr gelten, wo's nur noch heisst ,up, up and away, all the way to China'.

   
 

«Entstanden ist ein launisch-witziges L.-A. -Porträt mit vorwiegend dadaistischen Zügen, das vorab fragt, ob die Stadt nicht eigentlich eine Unstadt sei, ein Produkt der Einbildung, eine Fiktion. Hans begegnet unter anderem einem Double der Marilyn Monroe und einem früh genialischen Raketenbastler und Stratosphärenstürmer, vor allem aber sich selbst: dem Europäer, der versuchen muss, vorübergehend Amerikaner schlimmer: ,L.A.er' zu sein, überallhin mit einem viel zu breiten Auto zu fahren, Tiefgekühltes zu ,fooden' und Coke zu ,drinken' - ein hoffnungsloses Unterfangen, ein schrecklicher Kulturschock, aber enorm lehrreich...» Tages-Anzeiger
 
«Urs Egger macht einen kurzen Spielfilm, dessen ästhetische Perfektion seinem Land zur Ehre gereicht Es ist das zum visuellen Juwel geschliffene Porträt eines Verlorenen/Verstörten in der Figur des Hans alias Urs Egger, der in Los Angeles ankommt und sanft-unsanft überwältigt wird. Egger verwendet dazu einen Kunstgriff: Er, der die Stadt mittlerweile gut kennt, versetzt sich zurück in den staunenden Provinz-Hans, der dort eintraf und zwischen ,Freeways' und VilIen-Friedhofsruhe erst einmal seinen Standort finden musste. Die rekonstruierte Naivität des Touristen steht allerdings in frappantem Gegensatz zu den ,wissenden' Bildern, die radikal unamerikanisch sind. Egger mag Beverly-HilIs mit der Hölle vergleichen und die Einsamkeit des Fussgängers in Hollywood beklagen - sein Los Angeles ist von entrückter Schönheit, eine kalifornische Akropolis.» Weltwoche
 
«Der Film verlockt dazu, ihn schildernd in seine Sequenzen zu zerlegen, weil fast jede ein Juwel ist Und es wäre von den Farben zu sprechen, zu schwärmen, und von der Anders- und Einzig-Artigkeit des Films im Rahmen des Schweizer Filmschaffens: Eine Leichtigkeit zeichnet ihn bei aller handwerklichen Genauigkeit aus, die ihn zum Glücksfall macht.» CINEMA
 
«Urs Egger führt damit die grosse, schöne Tradition jenes Kinos fort, das immer wieder von neuem die Welt erschliesst: Welten, äussere und innere.» Der Bund

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