Am Ende der Nacht

 

Schweiz 1992

 
 
Am Ende der Nacht

Regie: Christoph Schaub
Drehbuch: Martin Witz, Christoph Schaub
Kamera: Ciro Cappellari
Schnitt: Fee Verena Liechti, Myriam Flury
Musik: Thomas Bächli
Mit: Peter von Strombeck, Eva Scheurer, Jessica Früh, Peter Bollag, René Schönenberger
 
35mm - Farbe - 90 Minuten Minuten
Deutsch

   
 

Robert Tanner ist bis zu seiner wahnsinnigen Tat im Grunde niemandem besonders aufgefallen. Ruhig war er, höflich mit Stammkundinnen und Nachbarn, manchmal vielleicht etwas zu angespannt.
Seine Arbeit in der Lebensmittel-Filiale, die Zeit zuhause bei seiner Familie, alles geht seinen normalen Gang, wären da nicht diese kleinen Zeichen vom grossen inneren Druck. Hätte jemand in ihn hinein schauen können zu jener Zeit, man hätte Alarm schlagen müssen...
Aber selbst dann wäre vielleicht nicht zu verhindern gewesen, was in der Nacht vom Sonntag auf den Montag passiert: Robert bringt seine Frau um, Edith – und anschliessend auch Beni, den kleinen Sohn.
Er tut es mit einer merkwürdigen Ruhe, fast so als müsste er etwas in Ordnung bringen. Robert Tanner ist ein zweifacher Mörder geworden.
Früh am Morgen verlässt er den Ort des Grauens, das kleine Einfamilienhaus draussen vor der Stadt.
Er geht «auf die Reise», wie er sagt.
Den Zug nehmen, mit Leuten sprechen. Robert hat ein eigentümliches Gleichgewicht gefunden. Eine Art «Befreiung», die ihm sogar erlaubt, sich einer fremden Frau zu öffnen, die er auf der Reise kennenlernt. Mehr und mehr wächst in ihm das Gefühl für seine Tat, für seine verzweifelte Situation. Er will sich erklären, er geht zur Presse, als könnte er sich durch die Preisgabe seiner Wahrheit erlösen.

   
 

«Das Kino von Christoph Schaub sucht die Nähe zur Realität und nicht die Distanzierung von ihr. Es sucht gleichzeitig nicht ihr simples Abbild, vielmehr die atmosphärische Dichte. (...) Für Schaub steht klar das Klima im Vordergrund. Unterstützt von Ciro Cappellaris Kamera, zeichnet er in präzisen Strichen das Bild einer Kleinstadt, in der das Leben seinen eigenen Rhythmus hat, vieles leicht verzögert erscheint, erst im Nachhinein bewusst wird. Schaub nähert sich der Enge im Eigenheim, der erloschenen Euphorie der Liebe, dem eingeschliffenen Lauf des Alltags. Die Stimmung wird stickig – und dann bricht Tanner aus, indem er Frau und Kind die letzte Luft zum Atmen nimmt, sie umbringt.» Tages-Anzeiger
 
«Extrem realistisch setzt sich der Film AM ENDE DER NACHT mit der Gewalt im familiären Alltag auseinander. Der Film ist dabei nicht selbst brutal. Er erzählt sensibel die Entwicklung eines lebensuntüchtigen Familienvaters (grossartig; Peter von Strombeck) zum Killer. Das leise Psychogramm eines ,Losers', der für fünf Minuten zum Monster wird, benutzt niemals die massive Gewalt selbst zu ihrer Erklärung. Das macht ihn eindringlich, aber auch wertfrei anachronistisch.» Tip Berlin
 
«Schaub trifft exakt die Stimmung eines Menschen, der gefangen ist in Normen und Konventionen, gefangen in seinem Alltag, seiner Biographie und seiner Moral.» Der Beobachter

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