Tanz der blauen Vögel

 

Schweiz 1993

 
 
Tanz der blauen Vögel

Regie: Lisa Faessler
Drehbuch: Lisa Faessler
Kamera: Pio Corradi, Thomas Krempke
Schnitt: Jürg Hassler
Musik: Wolfgang Amadeus Mozart, Michael Kocáb
Ton: Pavol Jan Jasovsky
Mit: Franz Blankart, Michael Kocáb
 
16mm - Farbe - 80 Minuten
Dialekt und Tschechisch / deutsche Untertitel

   
 

Ein politischer Film. Aktuell. Brisant. Scharfsinnig. TANZ DER BLAUEN VÖGEL ist ein auf Zuspitzungen hin montiertes filmisches Essay, thematisch mitten aus Europa, gedreht an tschechischen und schweizerischen Schauplätzen mit engem Rahmen und weitem Feld.
 
Zwei Gemeinden in Europa, 1992. Die eine liegt in Südböhmen in der ehemaligen Tschechoslowakei, die andere im Kanton Bern. In einer spannungsvollen Montage werden Menschen und zwei Welten, die sich nah sind und doch so fern, einander gegenübergestellt: Hier ängstliche, bewahrende Menschen in Vechigen, die über die Eingliederung in Europa nachdenken und abstimmen müssen, dort Trhové Sviny, wo nach dem Zerfall des Kommunismus alles möglich ist, wo sich, schnell und hektisch, die freie Marktwirtschaft Bahn bricht. Hier als grösster Arbeitgeber das Altersheim, dort eine Spielzeugfabrik; dort ziehen die russischen Panzer ab, hier donnern die Militärlastwagen durchs Dorf; hier der EWR-Unterhändler Franz Blankart, Schlossherr und Diplomat, der an die Reife des Volkes glaubt, dort der Rockmusiker, der über den Abzug der sowjetischen Truppen verhandelt und der sich als Musiker in Frage stellt, weil ihm das Publikum abhanden gekommen ist. Hier wie dort die Gemeindepräsidenten, die Bauern und die Totengräber. Hier Zufriedenheit bis zur totalen Erstarrung, dort Unzufriedenheit, die lähmt.
 
Ein filmisches Kaleidoskop, das in allen Farben schillert und in seiner formalen wie inhaltlichen Radikalität besticht.

   
 

«TANZ DER BLAUEN VÖGEL ist ein Film, dessentwegen man sich auf der Suche nach Superlativen im Lexikon der deutschen Sprache beinahe als Werbetexter fühlt. Es ist ein Film, der das Zeug dazu hat, jene, die sich mit dem schweizerischen Filmschaffen der letzten Jahre entzweit haben, wieder ins Kino zurückzuholen. Es lohnt sich, dieses Montagekunstwerk anzusehen, das ebenso nah der Mentalität der Bewohner unseres Landes kommt, wie es weit über dieses Land hinaus weist (...) ein aussagekräftiger, Schritt für Schritt hinreissender Kulturvergleich!» Basler Zeitung
 
«Der Film lässt nachdenken über Befindlichkeiten in einem Europa, in dem Verunsicherungen den Alltag prägen. Es ist ein Film über Menschen im Umfeld von Geschichte, ein Film über Gedanken und Gefühle in einer Zeit, in der Ideologien weggeschmissen werden wie schmutziges Klopapier. Nun wird das Jekami des freien Marktes zur alleinseligmachenden Religion erhoben, ohne Rücksicht auf Verluste, ohne Modifikationen, die da und dort vielleicht angebracht wären. Wilder Westen, allüberall. TANZ DER BLAUEN VÖGEL ist ein Film über die Suche nach neuen Identitäten und den Mangel an Willen zur Suche, ein Film über Einsamkeiten und Ängste und trotz alledem: Ein ausgesprochen kurzweiliger Essay zur Gegenwart, der auch formal aufs Präsens setzt.» flimbulletin
 
«Das bissige Mosaik ist sehenswert für alle, die sich für Europäerinnen und für Europäer halten.» Beobachter

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