Step Across the Border

 

Schweiz/Deutschland 1989

 
 
Step Across the Border

Regie: Nicolas Humbert, Werner Penzel
Kamera: Oscar Salgado
Schnitt: Gisela Castronari, Vera Burnus
Musik: Fred Frith, Joey Baron, Ciro Battista, Iva Bitová, Tom Cora, John Zorn
Ton: Jean Vapeur
Mit: Fred Frith, Robert Frank, Jonas Mekas
 
35mm + 16mm - sw - 87 Minuten
Englisch/dt UT

   
 

Musizieren als spontaner und unaufhörlicher Stoffwechsel mit der Welt: Der britische Musiker Fred Frith macht das einfach so, ohne irgendwelche Künstler-Allüren, als wär’s nicht nur die leichteste, sondern auch die selbstverständlichste Sache der Welt. Nicolas Humbert und Werner Penzel haben sich Frith zwei Jahre an die Fersen geheftet, haben sich anstecken lassen. In ihrer Zelluloid-Improvisation antworten sie auf seine Musik mit Montagesequenzen, in denen sie sich dieselbe Freiheit nehmen, die Welt zum Tanzen zu bringen.
 
Fred Frith: «...schliesslich der Schock, wie nahe die Bilder dem Geist der Musik kommen. Solche ergreifenden Bilder, solch musikalischer Schnitt! ... Und: Die Zuschauer machen die Erfahrung in der Gegenwart, aber für mich ist es immer die Vergangeneheit, eine Aufrechnung. Den Film anzusehen erlaubt mir, diese Vergangenheit wie eine Haut abzustreifen. Weit davon entfernt, mich eingeschränkt oder festgelegt zu fühlen, bin ich irgendwie befreit in meine Gegenwart entlassen. Das habe ich nicht erwartet.»
 
„In unserem Film treffen sich zwei verwandte künstlerische Ausdrucksformen: Improvisierte Musik und Cinema direct. In beiden Fällen geht es um den Moment, um das intuitive Begreifen, was in einem Raum vor sich geht. Musik und Film entstehen aus der verschärften Wahrnehmung für das Augenblickliche, nicht aus der Umsetzung eines gedanklichen Plans. Bei der Improvisation offenbart sich der Plan erst ganz am Ende, man findet ihn.“ (Humbert & Penzel)

   
 

«Vibrierend, hüpfend, umherstreifend, blitzend, dann wieder schlicht aus einem unerwarteten Blickwinkel heraus beobachtend, wechselhaft bewegt, präzise fixiert, weiss in schwarz gezeichnet: STEP ACROSS THE BORDER lebt ganz aus sich selbst heraus. Der Film schafft das, was sich Fred Frith zum Ziel gesetzt hat: Er überquert jene Grenze der einfachen Wahrnehmung – seien das Töne, seien das Bilder – und gelangt zu neuen Empfindungen. Das Leben zeigt sich in Zusammenhängen und nicht mehr in Oberflächen. Und am Ende scheint es so, als würde der ganze Planet im Rhythmus des Films schwingen.» Tages-Anzeiger
 
«‘Lass mich heut Nacht in der Gitarre schlafen‘, heisst es in einem Gedicht von Hans Magnus Enzensberger. Das müsste Fred Frith auch wollen, können und dürfen. Ich habe schon lange keinen Musiker mehr gesehen, der zu seinem Instrument ein gleichzeitig so nützliches und zärtliches Verhältnis hat, wie Fred Frith in Nicolas Humberts & Werner Penzels Film. Ich habe schon lange keine Musikdokumentation mehr gesehen, die gegenüber ihrem Helden eine so selbstlose, selbständige, selbstbewusste Haltung einnimmt, wie es STEP ACROSS THE BORDER tut. Ein Dokumentarfilmer findet ja immer jemanden, der bereits ein Verhältnis hat. Das Geheimnis eines guten Dokumentar-films ist wahrscheinlich das: die Haltung. Die richtige Distanz zur Nähe. Die Geduld, bei all der Hektik. Oder, wie ein Gedicht von Gomez de la Serna heisst: Die Gitarre ist eine Frau mit zwei Hüften.»
Uwe Brandner, Autor

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