Die Farbe des Klangs des Bildes der Stadt

 

Schweiz 1992

 
 
Die Farbe des Klangs des Bildes der Stadt

Regie: Urs Graf, Elisabeth Wandeler-Deck, Alfred Zimmerlin
Kamera: Urs Graf, Hans Stürm
Schnitt: Urs Graf
Musik: Alfred Zimmerlin
 
16mm - Farbe - 25 Minuten
ohne Dialoge

   
 

In einem Radiointerview beschrieb Alfred Zimmerlin den Film als «ein Wahrnehmungsfeld, in dem sich die Zuschauer- und Zuhörerinnen frei bewegen können und am schönsten wäre, wenn sie das mehrmals tun und jedesmal einen anderen Spaziergang darin unternehmen würden». Um solche «Spaziergänge» nicht zu behindern, hier nur das Wichtigste zum sogenannten Inhalt: Die Haut der Stadt. Die Wahrnehmung von Zeit und Raum - die Illusionen von Kontinuität und Identität. Die Lebenszeit. Und ein paar Beispiele dazu, wie filmische Formen Teile der «inhaltlichen» Themen sind:
Was auf den ersten Blick als «rasende Fahrt» erscheint, hat nur im Raum Kontinuität, nicht aber in der Zeit – die Intervalle zwischen den Einzelbildern des Films brechen auf (zwischen Vierundzwanzigstelssekunden liegt eine Realzeit von Minuten). – Wo die Fahrten zu Inneren Bildern des jungen Paares werden, wandelt sich auch die Kontinuität im Raum ins Phantastische – Erlebnisse (Träume?) von Fahrten, die real gar nicht sein können. – Der zentral-perspektivische Blick wird von Sequenzen «kubistischen Films» durchbrochen - eine andere Sicht der Welt, die nicht auf der Illusion von Kontinuität beruht.
 
Der Film geht aus vom Musikstück «Wahrnehmungsschwäche für das Tempo der Zerstörung». Dieses wurde im Juni 1987 in Zürich, als Teil von AGGREGATE II, uraufgeführt und in diesem Zusammenhang für diesen Film aufgezeichnet. Die gleiche Musik/die gleichen Texte sind zwei Mal hintereinander zu hören – andere Aspekte der Töne und Worte treten hervor – die Wahrnehmung verändert sich.

   
 

«Die Meisterschaft, mit der dieser Film gestaltet ist, erweist sich indessen daran, wie eine ständig neu aufgenommene, scheinbar rasende Fahrt durch Zürichs Strassen und Gassen, endend in Portalen und Fassaden, den Betrachter durch die gekonnte Montage nie erschöpft, ihm vielmehr Raum zum Sehen gewährt in einem wie selbstverständlichen Wechsel von Ruhe und Bewegung, bis die Zeit in blutigroten Tropfen gerinnt.» Neue Zürcher Zeitung
 
«Kein nacherzählbarer Film, aber aus der Realität geholte Bilder. Sie stürzen auf einen ein, als kämen sie aus einem Sog, sie stürmen vorbei, als würden sie vor den Augen zerplatzen, und scheinen doch auch wie aus dem Zentrum des Auges zu kommen. Eine dichte Ton-, Text-, Bildmontage. Dissonanzen und ad absurdum geführte Geschwindigkeit, Attacken auf Augen, den ganzen Körper, und doch auch, im nachhinein, ein Zustand, als sei man durch Raum und Zeit gegangen. Bilder sind haftengeblieben, Splitter, die wie von selbst in der Erinnerung weiterspielen.» Solothurner Tagbiatt
 
«Ein kleines, impulsives Kunstwerk, das im Unterschied zu Musikvideos seinen Kunstwerkcharakter beim mehrmaligen Sehen nicht verliert, dessen kompositorische Stärken dann erst richtig bewusst werden.» WochenZeitung

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