Ausflug ins Gebirg

 

Schweiz 1985

 
 
Ausflug ins Gebirg

Regie: Peter Liechti
Drehbuch: Peter Liechti
Kamera: Jörg Eigenmann, Peter Liechti
Schnitt: Peter Liechti
Musik: Res Wegmann
 
DCP, 16mm (blow-up von Super-8) - Farbe - 33 Minuten
Deutsch

   
 

«Da macht einer einen Ausflug ins Gebirg, mietet sich hoch oben in der Kahlheit der Berge ein und bleibt in der alpinen Enge stecken mitsamt dem mitgebrachten Koller, der in solcher Umgebung sich nur weiter in ihn frisst, ja seine Wut noch verstärken muss, denn er hasst die Berge, die ,blöd' machen, diese Kofel und Schrunden und Steine und den Regen, wenn es nur schneien würde, der Schnee diese ,Sauhänge' zudecken würde.
 
Er hätte ja weiterfahren können, warum hat er es nicht getan, tut es nicht, und dann diese fürchterliche Himbeertorte, die man auffressen muss, damit sie einen nicht selber auffrisst. Er ist kein Wanderer, ja alles andere als ein Wanderer, eine Sesselbahn wünscht er sich, überlang, um sich über Wüsten tragen zu lassen und sich in Meeren zu spiegeln...
 
Peter Liechti dokumentiert in 33 Minuten den eigenen Ärger, der , von Gipfeln und Kofeln bestätigt, wie ein Echo zurückgeworfen wird, und in ihnen Entsprechung findet; einen Ärger, den er misslaunig geniesst und in bissig-bösem Selbstgespräch in diese Landschaft hinein wirft und sich von ihr bestätigen lässt. Er weiss gar nicht, was er hier zu suchen hat, von etwas finden kann keine Rede sein, und doch bleibt er, bis er kein Geld und kein Filmmaterial mehr hat, angezogen und abgestossen von sich selber und dem, was ihn hier umgibt.
 
Schliesslich fährt er noch zum ,Lech', dem Fischteich in den Bergen, wo er - als letzte Bilder - das Sterben eines Fisches verfolgt. Damit bringt er die Belustigung der Zuschauer scharf zum Kippen.
 
Bild und Sprache (eine Eigensprachlichkeit, die einen an eine Mischung aus Achternbusch und Thomas Bernhard denken lässt), Ton, Stil und Rhythmus situieren, ohne genau zu fixieren, und der dramaturgische Faden hält genaue Balance zwischen persönlich saurem Missbehagen und geschändeter Landschaft.
 
In diesem kleinen geschlossenen, beeindruckenden Kunstwerk gibt es weder Störendes noch Überflüssiges.» (Zoom)

 
HINWEIS: auf der DVD zusätzlich noch die Kurzfilme: Tauwetter, Théâtre de l'Espérance und Senkrecht/Waagrecht von Peter Liechti. Gesamtdauer DVD: 67 Min.

   
 

«(...) In einer wahren Wörterflut versucht da einer, der Autor, seinen Überdruss angesichts des Bergs loszuwerden, dessen Faszination er völlig erlegen scheint. Beschimpfung wandelt sich zu Beschwörung, Sesselliftalpträume und Helikopterlärm und Dessertorgien, feinstkörniges Schwarzweiss und grobgerasterte Farbbilder, münden ein in den Gesang von den sterbenden Fischen, denen an der Schnauze zart der weisse Pilz erblüht.» Neue Zürcher Zeitung

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