Il Girasole - una casa vicino a Verona

 

Schweiz 1995

 
 
Il Girasole - una casa vicino a Verona

Regie: Marcel Meili, Christoph Schaub
Drehbuch: Christoph Schaub
Kamera: Matthias Kälin
Schnitt: Fee Verena Liechti, Christoph Schaub
Musik: Michel Seigner
 
35mm - sw - 17 Minuten
Italienisch / deutsche Untertitel

   
 

An einem sanften Hügel an der nördlichen Kante der Po-Ebene, nicht weit von Verona, steht ein bemerkenswertes Haus. Es ist eine silbrig glänzende, moderne Villa auf einem riesigen rötlichen Stein, inmitten eines seltsamen, wunderschönen Parks. Im Innern befindet sich ein Motor, der das Haus 360 Grad um seine eigene Achse zu drehen vermag: Die ,casa Girasole' folgt dem Lauf der Sonne oder den Blicken in die Landschaft...
 
Erbaut worden ist das Haus Anfang der dreissiger Jahre von Angelo Invernizzi, einem Genueser Ingenieur. In der ,casa Girasole' spürt man nicht allein die Faszination an der Technik selbst, sondern eine Verklärung der ,neuen Welt', den - schon leicht gebrochenen - Optimismus des späten italienischen Futurismus. Bis hin zu den Möbeln und Vorhängen ist alles noch im ursprünglichen Zustand, auch wenn die ,casa Girasole' nur ganz selten bewohnt ist.
 
Die Tochter des Erbauers kommt zum alljährlichen Aufenthalt in die ,casa Girasole'. Der Hausmeister Romolo öffnet das Haus, wie er das schon immer getan hat. Auch damals, als das Haus gebaut worden ist. Wir nehmen teil an einem Tag in der ,casa Girasole' - an 24 Stunden. Das Haus dreht sich einmal um die eigene Achse. Während dieser Zeit erschliesst der Film Architektur und Atmosphäre des Hauses, seiner Räume und Einrichtungen. Im ‚arrière plan' wird dazu die Geschichte dieses Tages erzählt wie eine Andeutung: das Lebensgefühl eines Tages, wie er vielleicht einmal stattgefunden hat oder heute stattfinden könnte. Wir hören die Stimme der Tochter, die sich daran erinnert, wie sie mit Vater und der ganzen Familie die Zeit der Kirschenernte und die der Weinlese hier verbrachte. Wir erfahren, was für Vater an ,Girasole' wichtig war, wie es gebaut wurde und was es bedeutete, damals an die ,neue Zeit' zu glauben.
 
Die Geschichte dieses Tages wird von zwei Personen begleitet - einer jungen Frau und einem jungen Mann. Sie treten nur in beiläufiger Präsenz auf. Ihre Handlungen sind Fragmente, Andeutungen. Der Film wird zum lmaginationsraum für das Leben damals, das Haus zum Resonanzkörper der genialischen, etwas ausgefallenen Ideen dieser Zeit.
 
Am Schluss des Films sehen wir die Tochter auf der Veranda sitzen, sie wird zurückfahren nach Genua. Wir sehen die Person, welche uns mit ihrer Stimme durch den Film geführt hat. Der Hausmeister Romolo serviert ihr Tee, wie immer vor der Abreise. Die ,casa Girasole' steht jetzt wieder so in der Landschaft, als wäre sie ein ganz normales Haus.

   
 

«Nur 17 Minuten brauchen die Regisseure, um uns dieses Gesamtkunstwerk vorzuführen: ein kleines Meisterwerk, das Haus wie der Film!» Der Landbote
 
«Der Film ist zunächst einmal eine plastische Würdigung dieses Ortes. (...) Allerdings begnügen sich die Autoren nicht damit. Sie beschliessen, dieses Haus dem Kino zu schenken, das ihm zweifellos als einziges eine Seele geben kann.» Jean Perret, Visions du Réel, Nyon

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