Der wilde Mann

 

Schweiz 1988

 
 
Der wilde Mann

Regie: Matthias Zschokke
Drehbuch: Matthias Zschokke
Kamera: Adrian Zschokke
Schnitt: Maya Schmid
Ton: Felix Singer
Mit: Dieter Laser, Ingrid Kaiser, Beatrice Kessler, Heiner Walti, Josef Arnold
 
16mm - Farbe - 70 Minuten
Deutsch

   
 

Als ,,Galanteriewarenvertreter" reist der Herr von Salzgitter, ein heruntergekommener deutscher Adliger, durch die Schweiz. Die Landbevölkerung interessiert sich wenig für seine Produkte. Als er an einem nebligen Novemberabend im ,WILDEN MANN' absteigt, fällt er trotz seines vornehmen Äusseren und seiner guten Manieren den anderen Gästen kaum auf. Zwar versucht er sich volkstümlich zu geben, doch für die Dorfbewohner bleibt er ein Fremdkörper.
Da der Herr von Salzgitter weder seine Automaten verkaufen noch seinen Gefühlsneigungen freien Lauf lassen kann, will er sich bald einmal in sein Zimmer zurückziehen. Doch mit dörflicher Ruhe ist nichts. Die Nacht ist voller penetranter Geräusche, einige wollen etwas von ihm und er versucht dies zu ignorieren, jedoch wird auch er ignoriert in seinen Wünschen. Zeitweise scheint die Atmosphäre gar bedrohlich. Man versucht sich näher zu kommen und missversteht sich.
Im Morgengrauen verlässt der Herr von Salzgitter, das Gesicht noch eingefallener, die Nerven noch ruinierter nach dieser schauerlich unruhigen Nacht, den ,Wilden Mann'. Es ist nicht anzunehmen, dass die Dorfbewohner sich an ihn erinnern – er war zu nichts zu gebrauchen.
 
Ein helvetischer Grusel- und Liebesfilm, wo man sich liebenswürdig eine gute Nacht wünscht und sich mit entschiedener Rücksichtnahme zur Verzweiflung treibt; wo das Gruseln bei Tagesanbruch grauenvoll ist.

   
 

«Mit der Inszenierung dieser sonderbaren, manchmal kafkaesk anmutenden Geschichte, ist Zschokke ein grosser Wurf geglückt. Die Dialoge der ausgezeichneten Darsteller sind gespickt mit trockenem Witz. Die gespannt surreale Atmosphäre des Films überträgt sich von Anfang bis Ende auf den Zuschauer» Kölner Stadtanzeiger
 
«Zschokke – ein Meister der Ironie, des hintergründigen Dialogs – verleiht diesen Figuren eine verquere, oft auch anrührende Eigensinnigkeit (...) Ihm gelingen gekonnte Szenen absurder Komik, die vor dem Hintergrund des tragischen Endes des Vertreters unversehens die Züge eines travestierten Totentanzes erhalten.» Neue Zürcher Zeitung
 
«Ein ironisch-skurriles Bild eines Schweizer Dorfes und seiner gastronomischen Sitten. Halb Gruselgeschichte, halb verschrobene Dorfidylle entwickeln sich da die erschröcklichen Nachterlebnisse eines deutschen Galanteriewarenvertreters, eines noblen Herrn aus Peine, Salzgitter, zusehends zu einem bedrückenden Alptraum. An diesem Ort, wo der Wind die Schindeln vom Dach fegt und damit Katzen und Knechte erschlägt, floriert der Dilettantismus, geistern die wilden Männer durch den Wald, erhängen sich die Irren, und durchwachen die Serviertöchter die Vollmondnächte. Zschokke serviert uns erbarmungslos die groteskesten Klischees aus der Schweizer Enge, ihrer Sagen- und Geschichtenwelt, wie eine prallvolle, triefende Schlachtplatte.» Tages-Anzeiger

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