Seriat

 

Schweiz 1990

 
 
Seriat

Regie: Urs Graf, Marlies Graf Dätwyler
Drehbuch: Urs Graf, Marlies Graf Dätwyler
Kamera: Hans Stürm, Rob Gnant, Bernhard Lehner, Eduard Winiger
Schnitt: Urs Graf, Marlies Graf Dätwyler
Musik: Oruc Güvenc
 
35mm und 16mm - Farbe - 113 Minuten
Deutsch + Türkisch /deutsche Untertitel

   
 

Seit 16 Jahren leben Idris und Resmiye Tütüncü in der Schweiz nach ihren türkischen Traditionen und der sunnitisch-islamischen Religion, zusammen mit ihren Kindern, die noch in der Türkei aufwuchsen und den jüngsten, die in der Schweiz geboren sind – je nach Alter mehr oder weniger geprägt von den Kulturen des Orients oder des Okzidents. Die überlieferten Sitten beginnen in der Familie ihre Selbstverständlichkeit zu verlieren – das Fremde kommt ins Haus.
 
Zwei Filme in einem Film: ein männlicher Blick auf die Welt der Männer / ein weiblicher Blick auf die Welt der Frauen. Ein Film von Urs Graf und ein Film von Marlies Graf Dätwyler zu einer Einheit verwoben und doch immer wieder zu erkennen, als zwei grundverschiedene Annäherungen an eine fremde Kultur, an Heimat, Identität, gesellschaftliche Ordnungen, Rituale, Bräuche, Musik, an Gemeinschaft und Individualität, Religion und Religiosität, Dogmen und Mystik.
 
Es fällt der Familie Tütüncü nicht leicht, der Veröffentlichung dieser Bilder zuzustimmen, dieser fremdartigen Blicke auf ihr Leben – dieser Blicke, die nicht nur zeigen, wie es ,richtig' wäre. Idris sagt: ,,Die Leute werden uns kritisieren. Doch Gott ist barmherzig. Er ist kein Kritiker. Er wird uns unsere Fehler verzeihen."
 
Der Film SERIAT gibt Einblicke in eine fremde Kultur und er reflektiert unsere Betrachtungsweise des Fremden, stellt die Selbstverständlichkeit unserer Blicke in Frage – des männlichen Blicks – des weiblichen Blicks – des westeuropäischen Blicks auf die andern und auf unsere eigene Welt.
 
SERIAT: Das türkische Wort Seriat entspricht dem arabischen ,Scharia', dem islamischen Gesetz.

   
 

«Vielleicht können wir das Fremde unter uns nicht verstehen, aber wir können es nun sehen, annehmen ohne Überheblichkeit und ohne den verhängnsivollen Drang des Schweizers, alles zu verschweizern.» Der Bund
 
«Ein Film, dem Seltenes gelingt: Mit grossem Respekt gestalten die Filmschaffenden die Begegnung mit Menschen fremder Kultur. Der Film macht uns mit dieser fremden Kultur vertraut, löst Distanzen auf und schlägt Brücken der Verständigung. Ein Film, der praktische Friedensarbeit leistet» Tele
 
«Es gehört zur Qualität von SERIAT, dass nicht erklärt wird, wo Fremdes irritiert. Dass Widersprüche und Ambivalenz nicht verwischt werden. Der Film ermöglicht damit die Reflexion auf unsere Kultur und unser Verhältnis zur Realität. Das Gefühl von Nähe und Distanz, aber auch der Respekt vor der Intimität wird durch das Bild vermittelt. Bilder, die nur entstehen konnten aus einer Vertrautheit mit den Dargestellten.» Woz, Die Wochenzeitung

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